Bauen und Sanieren 2021 in Südtirol – Förderungen und Wahl der Sanierungsexperten*Innen

Autoren: Philipp J. Gamper (Fachbereich Corporate Finance & Tax) | Rainer M. Sigmund (Fachbereich Development & Sales)

25. Februar 2021 – Fachkommentar im Südtiroler Wirtschaftsmagazin ‘Radius’. Rubrik: Fragen an den Experten!

Stephanie S., Burgstall: Gerne würde ich endlich zu Hause umbauen. Im Jahr 2020 haben mich die Corona Pandemie und ständig neue Regelungen zu den steuerlichen Abzugsbeträgen verunsichert. Ich bin Eigentümerin eines Hauses mit drei Wohnungen. Gibt es für mich auch für das Jahr 2021 die alten Steuerboni?

Philipp J. Gamper

Philipp J. Gamper: Sehr geehrte Frau S., ich freue mich Ihnen bestätigen zu können, dass der italienische Gesetzgeber alle bestehenden Steuerboni durch das Haushaltsgesetz 2021 verlängert hat. Das Gesetz mit der Nummer 78/2020 besteht aus einem Artikel und 229 Absätzen und ist am 01.01.2021 in Kraft getreten: Zum Bonus 110%: Das in 2020 neu eingeführt Steuerguthaben ist ergänzend zu den bereits bestehenden Möglichkeiten zu sehen. Hier ist die Gesetzgebung sehr komplex und wurde wiederum durch das Haushaltsgesetz 2021 angepasst. Eine Einzelfallprüfung ist hier unabdingbar. Wie die anderen Boni, wird der Bonus 110% von Ihren Einkommensteuern, insofern genügend vorhanden, abgezogen, jedoch wird dieser nur auf fünf Jahre gewährt (ab 2022 vier Jahre). Die Durchführung von baulichen Hautmaßnahmen ist dabei zudem Voraussetzung. Energetische Sanierung/Ecobonus: Die steuerliche Absetzbarkeit von 50 Prozent bis zu 65 Prozent der Kosten über einen Zeitraum von zehn Jahren bleibt weiterhin bestehen.

Wiedergewinnungsarbeiten: Die steuerliche Absetzbarkeit für physische Personen von 50 Prozent der Kosten über einen Zeitraum von zehn Jahren und maximal Euro 96.000,00 bleibt weiterhin bestehen. Möbel und Elektrogeräte: Die steuerliche Absetzbarkeit für physische Personen von 50 Prozent der Kosten über einen Zeitraum von zehn Jahren bleibt weiterhin bestehen. Der Maximalbetrag der Ausgabenschwelle wurde dabei auf 16.000 Euro erhöht. Die Durchführung von Wiedergewinnungsarbeiten ist dabei Voraussetzung. Bonus verde: Die steuerliche Absetzbarkeit für physische Personen von 36 Prozent der Kosten für die Errichtung und Pflege von Gärten/ Grünanlagen über einen Zeitraum von zehn Jahren und maximal 5.000 Euro bleibt weiterhin bestehen.
Fassadenbonus: Die steuerliche Absetzbarkeit von 90 Prozent der Kosten für Instandhaltungsarbeiten an Häuserfassaden über einen Zeitraum von zehn Jahren ohne Maximalbetrag wurde verlängert. Davon betroffen sind Malerarbeiten wie auch strukturelle Arbeiten. Die Immobilien müssen sich dabei in der sogenannten A- oder B-Zone befinden.

Alle genannten Steuerboni können nunmehr an jegliche Dritte (Banken, Privatpersonen, etc.) abgetreten werden, bzw. evtl. als Skonto in der Rechnung mit einbezogen werden.

Walter F., Meran: Vermeintlich haben wir in den Stadtgebieten viel leerstehende Wohn- und Arbeitsflächen. Sie als Projektentwickler sprechen auch vom Sanieren dieser Gebäude, aber gibt es eigentlich genügend Experten für Sanierungsobjekte in Südtirol?

Rainer M. Sigmund

Rainer M. Sigmund: Hierzulande, vorwiegend in den Ballungszentren, gibt es effektiv sehr viele private aber auch gewerbliche Bestandskubatur, welche leer steht. So ist man auch von Seiten der Politik darum bemüht vor allem Sanierungsobjekte wieder zu attraktivem Lebensraum zu machen. Wenn nur mehr 5,5 Prozent des Landes bebaubar ist, war es wohl auch höchst an der Zeit, dass im vergangenen Jahr ein neues Raumordnungsgesetzt verabschiedet wurde, welches als Regelwerk versucht die Zukunft des Bauens auf Sanierungsobjekte zu fokussieren. Für lokale Visionäre und Techniker möchte man meinen, dass dies nun sicherlich nach einem attraktiven Betätigungsfeld klingt.

Wir haben uns inzwischen zusätzlich auf die Revitalisierung historisch verwurzelter Gewerbeimmobilien spezialisiert und dürfen in Südtirol mit ausgezeichneten Experten zusammenarbeiten. Das Fachwissen der Architekten, Planern und Ausführenden ist enorm, Sanierungen sind aufgrund der Historie des Landes und der Baudichte in Südtirol an der Tagesordnung, aber als reine “Sanierungsexperten” würden sich die Techniker Großteils wohl nicht definieren wollen. Die Ursache hierfür sehe ich zum einen im natürlichen gesellschaftlichen Anspruch an den eigenen Lebensraum und zum anderen im zunehmenden Fachkräftemangel und der oft nicht ausreichenden gewerkeübergreifenden Qualifizierung der Techniker. Dies führt dazu, dass Eigentümer und Investoren nach wie vor zurückhaltend damit sind, großen Respekt vor Fahrten im Dunkel mit entsprechenden Überraschungen haben, um ihre Gebäude aufwendig und für viel Geld umfassend sanieren zu lassen – stattdessen lieber doch auf Neubauprojekte warten beziehungsweise auf Abriss und Neubau setzen. Sich in der Grundausbildung schneller mit innovativen Möglichkeiten und in der Weiterbildung verstärkt mit der Werterhalt von Gebäudebestand und den innovativen Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz auseinanderzusetzen, dürfte sich langfristig lohnen. Ich sehe darin eine zeitnahe Steigerung der Expertise, im Sinne einer nachhaltigeren Baukultur für unser Land.

Ich bin überzeugt, dass „Refurbishments“ also das neudeutsche Wort für Altbausanierung als eines der fundamentalsten Zukunftsthemen in der Gemeindepolitik nicht mehr nur erkannt, sondern inzwischen ehrlich gelebt wird, vor allem in den Städten. Es geht nun darum an früheren Plänen zur Stadtentwicklung weiterzuarbeiten, die Chancen des neuen Raumordnungsgesetztes gewissenhaft zu nutzen und Konzepten zur Sanierung, Aufstockung und dem Leerstandsmanagement breiten Raum zu geben. Gemeinsam mit jeweiligen Spezialisten und mit ganzheitlichem Entwicklungsansatz.

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