Bauen und Sanieren 2020 in Südtirol – Förderungen und Steuerbegünstigungen

Autoren: Philipp J. Gamper (Fachbereich Corporate Finance & Tax) | Rainer M. Sigmund (Fachbereich Marketing & Verkauf)
27. Februar 2020

Fragen an den Experten!

Herbert T. (Lana): Meine Tochter möchte heuer in unserem Haus das Dachgeschoss ausbauen. Können wir in diesem Jahr steuerliche Begünstigungen in Anspruch nehmen?

Philipp J. Gamper

Philipp J. Gamper: Lieber Herr T., in der Tat sieht der Gesetzgeber auch für das Jahr 2020 zahlreiche Steuerboni im Zuge von Wiedergewinnungsarbeiten und energetischen Sanierungen vor. Die Regelungen aus den vergangenen Jahren wurden bis zum Jahresende verlängert und bleiben inhaltlich unverändert. Der steuerliche Vorteil in Höhe von 50% bis 65% der getätigten Kosten kann mit der Einkommensteuer IRPEF über einen Zeitraum von 10 Jahren verrechnet werden.
Für Wiedergewinnungsarbeiten gilt ein Höchstbetrag der anfallenden Kosten von Euro 96.000, bei energetischen Sanierungen, je nach Gewerk, bis zu Euro 100.000. Sollten Sie selbst am Bau tätig werden, gelten dabei auch Materialkosten als abzugsfähig.
Auch der Steuerbonus für energieeffiziente Möbel und Elektrogeräte (50% bis max. Euro 10.000 der anfallenden Kosten) wurde für 2020 verlängert. Die Durchführung von Wiedergewinnungsarbeiten ist dabei Voraussetzung.

Neu ist die steuerliche Absetzbarkeit von 90% der Kosten für Instandhaltungsarbeiten an Häuserfassaden ohne Maximalbetrag. Davon betroffen sind Malerarbeiten wie auch strukturelle Arbeiten. Die Immobilien müssen sich dabei in der sogn. A- oder B-Zone befinden (Information dazu sind bei der Gemeinde erhältlich). Abgeschafft wurde hingegen die Möglichkeit der unmittelbaren Inanspruchnahme des Steuerbonus für energetische Sanierungen mittels der Rechnung des Lieferanten (Skonto und Abtretung des Steuerbonus an den Lieferanten). Ausnahme bilden dabei nur mehr Restrukturierungen von über Euro 200.000,00 für Kondominien.

Bitte beachten Sie bei Ihrem Vorhaben, dass die steuerlichen Vorteile nur von jener Person genossen werden können, welche die Kosten auch nachweislich getragen hat. In Ihrem Fall muss Ihre Tochter zudem Eigentümer oder Besitzer eines Realrechtes der Immobilie sein, oder dort den Wohnsitz haben.

Hubert M. (Pustertal): Wir als Bauunternehmen haben gerade einen privaten Kunden, dem wir ein Angebot für eine energetische Sanierung seiner über 20 Jahre alten Immobilien machen sollen. Welche Gebäudetechnik müssen wir im Angebot berücksichtigen und können wir in der Kalkulation davon ausgehen, dass sich eine dahingehende Investition für den Kunden nicht auch ökonomisch lohnt?

Rainer M. Sigmund

Rainer M. Sigmund: Wenn die Baukonzession für das Gebäude vor dem 12. Jänner 2005 ausgestellt wurde und sofern die Maßnahmen an einer Immobilie in der Provinz Bozen durchgeführt werden, hat Ihr Kunde die Möglichkeit Beiträge zur Landesförderung der Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien zu prüfen. Die Rentabilität der Investition hängt von verschiedensten Aspekten ab, welche von Immobilie zu Immobilie und Ort zu Ort unterschiedlich sind. Die Auswahl der Materialien oder das Ausmaß technischer Gebäudeausstattung bedarf einer fundierten Wirtschaftlichkeitsberechnung. Wichtig ist jede Intervention abzuwägen, technisch auf Innovation zu prüfen und effektiv auch mit den individuellen Lebensumständen der Bewohner abzuwägen.
Förderungen gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Vorausgesetzt, dass das Gebäude als KlimaHaus C oder KlimaHaus R zertifiziert ist oder die jeweiligen U-Werte erreicht, werden Wärmdämmungen von Außenmauern, Dächern, die untersten und obersten Geschossdecken und Terrassen an bestehenden Gebäuden zwischen 30% bzw. 50% und für Kondominien bis zu 70% der anerkannten Kosten gefördert. Der Austausch von Fenstertüren oder Fenster, der Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung wird unter entsprechenden Voraussetzungen mit einer Beitragshöhe von 50% der anerkannten Kosten gefördert. Maßnahmen wie hydraulischer Abgleich bestehender Heiz- und Kühlanlagen, der Einbau von thermischen Solaranlagen oder Wärmepumpen werden ebenso gefördert, wie etwa die Integration von Photovoltaikanlagen. Unter besonderen Voraussetzungen wird auch der Einbau von Windkraftwerken gefördert.
Detaillierte Informationen finden Sie auf dem Webportal der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, dem zuständigen Amt des Landes Südtirol. Dort werden auch die einzureichenden Formblätter bereitgestellt, welche als Gesuch zwischen 1. Jänner und 31. Mai 2020 eingereicht werden müssen.

 

Bildquellen: vinburg, pixabay