Umwelt und Energie – Elektromobilität und Förderungen in Südtirol

Autoren: Philipp J. Gamper (Fachbereich Corporate Finance & Tax) | Rainer M. Sigmund (Fachbereich Marketing & Vertrieb)
10. September 2020

Elektromobilität und Förderungen in Südtirol – Fragen an den Experten!

Herr M. aus Leifers: Ich spiele mit dem Gedanken, mir ein Elektro – Auto anzuschaffen. Gerne würde ich auch ein Car-Port (Stellplatz-Überdachung) mit integrierter Photovoltaikanlage bauen und direkt eine private Ladestation errichten. Gibt es hier noch Begünstigungen für E-Auto samt Ladesäule?

Philipp J. Gamper

Philipp J. Gamper: Sehr geehrter Herr M. Nach wie vor werden hierbei Anschaffungskosten gefördert und steuerliche Begünstigungen gewährt. In Ihrem Fall können Sie hier gleich mehrfach profitieren.

MwSt.:

Insofern Sie die Photovoltaikanlage des Car-Ports und die Ladesäule gemeinsam installieren, kommen Sie in den Genuss des reduzierten MwSt.-Satzes von 10%.

Zuschüsse:

Auf Landesebene erhalten Sie für Elektroautos eine Preisreduzierung in Höhe von Euro 4.000 (2.000 bei Plug-In-Hybriden) auf den Nettopreis vom Fahrzeughändler. Bei den Ladesystemen werden pro System 80% und max. Euro 1.000 gefördert, insofern diese nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden und ausschließlich zur Aufladung der Elektrofahrzeuge dienen. Privatpersonen können dabei maximal für 3 Systeme ansuchen. Gebrauchtfahrzeuge sind von dieser Förderung nicht erfasst.

Auf staatlicher Ebene finden wir uns momentan in einer Situation die aufgrund der Corona Krise laufend überarbeitet wird und vorläufig bis zum 31.12.2020 gilt. Aktuell sind dabei alle durch das Land Südtirol genannten Förderungen mit nationalen Förderprogrammen, wie den auf Abgaswerten beruhenden Ecobonus (max. Euro 6.000 bei Fahrzeugen bis zu 50.000 Euro ohne MwSt.) kumulierbar. Durch die Gesetzesdekrete in 2020 “Decreto Rilancio“ bzw. “Decreto Agosto“ werden zusätzliche Mittel durch den Staat und den Verkäufer („rottamazione“) in Aussicht gestellt (insgesamt bis zu 10.000 Euro bei Fahrzeugen bis zu 40.000 Euro ohne MwSt.). Dies alles kann direkt mit dem Fahrzeughändler abgewickelt werden.

 

Herr M. aus Leifers: Die Anschaffung eines Elektroautos begründet sich in meinem Bestreben den Fuhrpark meines kleinen Handwerksbetriebs entsprechend einer aufgefrischten Profilierung des Unternehmens „nachhaltiger“ auszurichten. Sind solche Investitionen zur Bewerbung des Unternehmens geeignet? Zu welchem Zeitpunkt?

Rainer M. Sigmund

Rainer M. Sigmund: Geschätzter Herr M., in den 90er Jahren haben erste Unternehmen auf einen „Nachhatigkeitsbericht“ hingewiesen. Verstärkt durch „Fridays for Future“-Demonstrationen ist das Thema heute, 30 Jahre später, in den Köpfen der Menschen auch in Südtirol angekommen.

Neben der Investition in innovative und nachhaltig sichtbare Optimierungen in Technik, wie etwa in ein umfassendes Energiemanagement im Betriebsgebäude oder der Umstieg auf Elektrofahrzeuge, gibt es inzwischen vielversprechende Argumente und Werkzeuge, um bestehende Kunden von einer nachhaltigen Ausrichtung im Unternehmen zu überzeugen oder so auch neue Zielgruppen zu erschließen. Die Gesellschaft achtet auf ökologische Werbemittel und arbeiten Sie als Unternehmen entsprechend, sind die Kunden nachweislich auch gewillt höhere Preise zu bezahlen.

Eine Plastiktasche oder etwa Styropor als Verpackung kann zu Kritik führen. Eine umweltfreundliche und wiederverwendbare Tasche wird gerne wieder präsentiert. Kunstpapier oder plastifizierte Drucksorten werden vermehrt vermieden, der Einsatz von weniger Papier und vor allem naturbelassenem beziehungsweise recyceltem Papier sehr geschätzt. Anstatt Produktkataloge zu drucken, empfiehlt es sich ordentlich ausgearbeitete digitale Medien wie die eigene Webseite oder übersichtlich angelegte Online-Broschüren bereitzustellen. Eine Auffrischung der Profilierung im Unternehmen bietet sich ideal auch für eine gezielte Presseaussendung an. Somit JA, nutzen Sie jegliche von Ihnen gesetzte Zeichen, um mit Ihrem Beitrag für eine bessere Umwelt zu werben. Wichtig dabei ist vor allem: Bleiben Sie dem Bestreben treu.

Nutzen Sie vor allem die sozialen Medien als effizienten und dauernden Kommunikations-Kanal und präsentieren Sie Ihre Bemühung zur Modernisierung der Infrastruktur sowie den Umstieg in ökologische Werbemittel in Facebook, Instagram und Co. Suchen Sie sich passende Veranstaltungen wie etwa die in Südtirol deklarierten “Green Events” für eine glaubwürdige Präsentation Ihres Unternehmens und schauen Sie vor allem, dass Partner und Kunden Ihrem Vorbild folgen.

Ein homogenes Verhalten im Sinne eines grünen Marketings ist Investition in die Zukunft und soll in diesem Kontext jederzeit und andauernd zur Bewerbung des Unternehmens genutzt werden.
Immer wieder gibt es Förderungen oder außerordentliche Bezuschussungen von Staat, respektive vom Land. In 2020 etwa, wird der Werbebonus “bonus pubblicità” neu definiert und für viele damit leichter einsetzbar. Motiviert durch das Corona-Ausnahmejahr 2020 besagt das Gesetzesdekret Nr.18/2020 “Cura Italia” vom 17.03.2020, dass dieser Steuerbonus nun auch dann möglich ist, wenn es keine Erhöhung der Werbeausgaben im Verhältnis zum Vorjahr gibt. Wichtiges Detail am Rande: Die Frist für dieses Ansuchen läuft Ende September aus – zögern Sie also nicht mit einem Berater hierzu frühzeitig in Kontakt zu treten.

Bildquellen: vinburg, pixabay